... I need You...



Kein Mensch nimmt diese Briefe und Gebote wortwörtlich ernst und befolgt sie, keine Magersüchtige rezitiert jeden Morgen vor dem Spiegel das "Ana Glaubensbekenntnis" – wenn, dann deshalb, weil sie diese "Regeln", die Teil und Symptome der Krankheit Magersucht sind, sowieso schon lange verinnerlicht hat und ihre eigenen (vielleicht stummen) Worte dafür gefunden hat, Worte, die ihr nicht mal bewußt sind, mit denen sie aber jede Sekunde des Tages lebt.
Die meisten Magersüchtigen verehren diese Regeln nicht, sondern sind erschrocken, wie lange sie schon unbewußt damit leben!

Diese Texte sind die Darstellung der bei Magersüchtigen von Anfang an automatisch ablaufenden Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen - nicht die Anleitung dazu.
Diese Texte sind keine Anleitung zum Krankwerden, sondern eine Anregung zum Nachdenken – für Betroffene genauso wie Nicht-Betroffene, weil letztere vielleicht anhand dieser Texte zum ersten Mal wirklich nachempfinden können, wie sich eine Magersüchtige fühlt. Diese Texte geben einen authentischeren Einblick in die Krankheit, als es sachliche und wissenschaftliche Darstellungen jemals könnten.

 Niemand weiß, woher die Briefe, Gebote, Psalm und das Glaubensbekenntnis wirklich stammen. Wahrscheinlich sind sie bereits älter als das Internet selbst.
Sie finden sich, im englischen Original und unter der Überschrift "Sacred Texts" (die sich so übernommen habe), abgedruckt im Buch
Ana's Girls: The Essential Guide to the Underground Eating Disorder Community Online von Eda R. Uca, das 2004 bei authorhouse erschienen ist.
Eda R. Uca hat sie jedoch nicht "erfunden", sondern auch nur gesammelt.